Überraschungsfahrt



Überraschungsfahrt des VCP Bezirk Hannover

Die diesjährige Überraschungsfahrt des VCP Hannover ging nach Berlin. Vom 30.9.2005 bis zum 3.10.2005 gab es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine ganze Menge Geschichte und Kultur. Die Fahrt stand unter dem Motto "Land in Sicht", an dieser Stelle war der Titel eines Liedes von Ton, Steine, Scherben eingeflossen, der den Vorbetreitungskreis sehr begleitet hat.

So bedeutete Kultur im Programm auch und grade Kennenlernen der Kieze und ihrer Millieus, Jugendkultur und deren Geschichte.

Vor der Fahrt hatte es ein paar Tipps zum Raten gegeben, denn bei einer Überraschungsfahrt weiß immer keine/r der Teilnehmenden, wo es hingeht.

Diese Tipps waren Schlossallee, Rio, Gallileo und hässliches Entlein. Einer der Teilnehmenden war auf Berlin gekommen, hatte aber eine falsche Verbindung hergestellt, also Zufall.

Die Gruppe wohnte in einem Stadtrandheim auf der Insel Schwanenwerder im Wannsee, diese Insel war in früheren Zeiten und ist jetzt immer noch das Domizil der Superreichen, in den 30iger Jahren hatte sie in der deutschen Version des Spiels Monopoly die Position der " Schlossallee".
In der nationalsozialistischen Zeit wohnten etliche Nazi-Größen dort, als im Monopoly-Spiel aus Schwanenwerder im Volksmund Bonzenwerder wurde, soll es kurzerhand als "jüdisch" verboten worden sein. Goebbels und seine Konkubinen, Speer und der Leibarzt Hitlers wohnten auf der Insel. Nach dem Krieg wurden einige Grundstücke für gemeinnützige Zwecke genutzt und so kam es zum Stadtrandheim des Bezirkes Tempelhof in einem Haus, in dem einmal Adolf Hitler wohnen sollte.

Freitag Abend führte sich die Gruppe in Berliner Lokalkolorit ein und sah den Film "Herr Lehmann". Ein absoluter Tipp, wenn es um das träge dahinfließende Leben im Berliner Kiez Kreuzberg zur Zeit der sogenannten "Wende" geht.

Die Gruppe umfuhr die Insel am Samstag Morgen per Tretboot und konnte einen Blick auf die Paläste werfen, die von der Landseite nicht zugänglich sind, ebenso wie das Wasser. Samstag Mittag besichtigte die Gruppe einen der ältesten Abenteuerspielplätze der Bundesrepublik, den ASP Acker im Märkischen Viertel. Träger dieses ASP ist seit Beginn der 70er Jahre der Bund Deutscher Pfadfinder (BDP). ASP heißt, dass die Kinder Hütten bauen und Feuer machen können. Sie bauen sich eine kleine Stadt, in der sie ihr Zusammenleben regeln. Es wird gespielt, gekocht und gefeiert. Die Kinder machen wichtige Erfahrungen mit sich, mit anderen Kindern und mit Material. Die Eltern sind einbezogen und übernehmen die Betreuung der Kinder auf dem Platz am Samstag. Eine Form der offenen Kinderarbeit, die in Hannover immer noch sehr unbekannt ist.

Danach guckte sich die Gruppe den Prenzlauer Berg an, einen der typischen Kieze, der sich in den letzten Jahren sehr verändert hat.

Dann in der Nacht das absolute Kontrastprogramm: die ehemalige Cargo-Lifter Halle bei Krausnick in Brandenberg, in der ein thailändischer Investor das Tropical Island aufgemacht hat. Der selbsternannte "König von Mallorca" war auch da und das sagt eigentlich schon alles.

Sonntag Mittag sah sich die Gruppe das Denkmal für die ermordeten Juden Europas an, sie wurde dabei von einer jungen behutsam begleitet, die in die Geschichte des Mahnmals einführte. Besonders eindrucksvoll bis bedrückend war der Ort der Information unter dem Stelenfeld.

Sonntag Nachmittag folgte dann der Besuch des Kabaretts "Die Wühlmäuse", in dem Martin Buchholz sein neues Programm "Freiheit für Angela" vorstellte.

Sonntag Abend grillte die Gruppe auf Schwanenwerder und spielte aus gegebenem Anlass unter anderem das kapitalistischste aller Spiele: Monopoly, in der alten und in der neuen Form.

Montag Morgen besuchte die Gruppe das Mahnmal "Gleis 17" am Bahnhof Grunewald. Hier begannen die Deportationen von fast 55.000 Berliner Juden in die Vernichtungslager. Ein Gleis wurde so wie damals erhalten, an den Kanten der Verladerampe liegen Stahlplatten, auf denen Termin der Deportation und Zahl der Opfer steht. Beklemmend mit einer eigenartigen Aesthetik.

In diese Zeit fiel auch die lokalpartielle Sonnenfinsternis, die die Gruppen sich durch einen kurz aufreißenden Wolkenfilm angucken konnte.
Vorher waren bei der Blindenmission kleine Schutzbrillen bestellt worden.

Danach folgte eine Führung durch Berliner Unterwelten, die Gruppe machte Bekanntschaft mit Schutzbauten aus dem zweiten Weltkrieg und der Zeit des kalten Krieges. Es gab Informationen über Geisterbahnhöfe, Kanalistion und Sperrbauten in der geteilten Stadt.

Der Jugendkultur galt der Besuch im Friedrichhainer Kiez, besonders beeindruckend das "Wall Street Journal", in dem sich eine neue Kulturform nach den Graffittis ausbildete.

Die Überraschungsfahrt klang aus mit einem Besuch im Schöneberger Südgelände und dem dortigen "Naturpark". Die Natur hat sich ein ehemaliges brachliegendes Gelände eines Rangierbahnhofes zurückerobert, der Mensch hat daraus ein Expoprojekt gemacht und seine Vorstellung von einem Stadtpark des 21.Jahrhunderts umgesetzt. Auf der einen Seite Loks, Drehscheiben, Reste eines Rangierbahnhofes, viele Kilometer Gleise, auf der anderen Seite Tiere und Pflanzen, die es sonst in ganz Berlin nicht mehr oder noch nicht wieder gibt.

Die Gruppe trank noch einen Kaffee und fuhr dann wieder nach Hause.