Jungen Menschen am sozialen Rand helfen



Engagiert in Projekten: Der VCP Bezirk Hannover

Der VCP Bezirk Hannover hat – und dies ist zunächst untypisch für einen (christlichen) Jugendverband – Einrichtungen der außerschulischen Betreuung von Schulkindern und der mobilen Kinder- und Jugendarbeit aufgebaut. Im internen Sprachgebrauch des Bezirkes setzte sich dafür der Begriff "Projekte" durch, obwohl die Einrichtungen längst etabliert sind. Der VCP wollte in den späten 70er bis zum Beginn der 90er Jahre neue Zielgruppen erreichen und auch innovative Methoden ausprobieren. Mit den Projekten, die im 1972/73 beschlossenen Grundsatzprogramm "Aufgabe und Ziel" wurzeln, beruft sich der Verband auf das Ziel "soziale Gerechtigkeit". Er ist damit ein Kind seiner Zeit.


Was war das für eine Zeit?

In den 60er/70er Jahren wurde eine Bildungskatastrophe (damals!) konstatiert. Die 68er Studentenbewegung modernisierte die Gesellschaft, die sich zunächst auf dem Bildungsbereich auswirkte. Später sprach man von einer Bildungsexpansion. Im schulischen Bereich entstanden z. B. Gesamtschulen. Der durchgängige schulische Umbau scheiterte an konservativen BildungspolitikerInnen.
Aufbruchsstimmung zeigte sich auch in der Jugendarbeit: Erstmals wurde eine Theorie der Jugendarbeit diskutiert. Es wurde versucht, sie wissenschaftlich zu fassen. Drei Strömungen, die kompensatorische, die emanzipatorische und die antikapitalistische Jugendarbeit, konkurrierten miteinander.
Die Gesellschaft, wie sie war, musste verändert werden, weil sie nicht das hielt, was sie den Menschen und insbesondere den Jugendlichen an Entwicklungsmöglichkeiten versprach.
Die Menschen sollten zu selbstbewussten, selbstständig handelnden Individuen erzogen werden. Als allgemeines Erziehungsziel waren "Mündigkeit" und "Emanzipation" anerkannt. Emanzipation meinte die Abschaffung ungerechtfertigter Abhängigkeiten. Das erforderte einen pädagogischen und politischen Prozess. Die emanzipatorische Jugendarbeit ging von den Bedürfnissen der Jugendlichen aus und sollte dazu verhelfen, die Interessen der Jugendlichen in Solidarität gemeinsam zu vertreten.
Die antikapitalistische Jugendarbeit ging in ihren Überlegungen radikal weiter, indem sie das Proprium auf den politisch-revolutionären Prozess legte, dem die Pädagogik untergeordnet werden sollte.
Weitere zentrale Begriffe waren der "Dialog" sowie "die Kritik und der Abbau von Entfremdung". "Soziale Integration", "soziale Gerechtigkeit" und "Chancengleichheit" waren programmatisch. In der Form war man sich einig, dass nur eine koedukative Jugendarbeit diese Ziele würde erreichen können. Diese Diskussionen trafen manche traditionelle Jugendverbände in ihrem Selbstverständnis. In der Evangelischen Jugend ging es sehr schnell um "das Eigentliche". Heinrich Constantin Rohrbach (Leiter des Burckhardthauses und CPer) plädierte in seinen "Rohrbach-Thesen" für ein aufgeklärtes emanzipatorisches Christentum in der kritischen Nachfolge von Jesus Christus. Sein zentraler Begriff war "Agape", die politisch verstandene, umfassende Liebe. Die daraus folgende Polarisierungsdiskussion in der Evangelischen Jugend brachte den Verband an den Rand der Spaltung.
In den Schulungen der Verbände sprach man dem Prozess folgend von Erziehungsstilen, von Sozialisation und von Gruppendynamik. Jugendarbeit sollte neben Familie und Schule die dritte Sozialisationsinstanz werden und einen wesentlichen Beitrag zur Modernisierung der Nachkriegsgesellschaft leisten.
In dieser Zeit schlossen sich drei geschlechtshomogene (2 weibliche, 1 männlicher) christliche Pfadfinder/innen-Verbände zum Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) zusammen und gaben dem neuen koedukativen Jugendverband ein Grundsatzprogramm mit pädagogisch-politischen Aussagen auf der Höhe und den Notwendigkeiten der Zeit. Das war Ende 1972 bis Mitte 1973.


Der Ausgangspunkt

In Hannover hatten sich schon ein drei viertel Jahr vorher die Christliche Pfadfinderschaft (CP) und der Evangelische Mädchen Pfadfinderbund (EMP) zum VCP Bezirk Hannover zusammengeschlossen. Erste gemischtgeschlechtliche Jugendgruppen des VCP sammelten damals Möbel für die besetzten Häuser in der Callinstraße 1.
Das Grundsatzprogramm des VCP hatte den Namen "Aufgabe und Ziel". Das klang eher altertümlich, die Ziele und Inhalte waren es nicht. Es ging um die "Abschaffung ungerechtfertigter Abhängigkeiten", "das Erkennen und Verwirklichen der Bedürfnisse in Solidarität", um "soziale Gerechtigkeit". Ein Jugendverband mit diesem Ziel wird sich zu verständigen haben:
  • Welche Zielgruppen werden erreicht?
  • Welche Mitglieder hat er?
  • Wie stellt er sich als Lobby für Kinder und Jugendliche in der Gesellschaft auf?
  • Ist er mit seinen Angeboten und Methoden für alle offen?


Mit der klassischen Gruppenarbeit konnten, trotz des unwiderlegbar guten "Learning by Doing" der Pfadfinderbewegung und der "Projektmethode", eher nur Kinder und Jugendliche aus der gehobenen Bildungsschicht erreicht werden. Das wirkte sich auch auf die soziale Struktur und die Herkunft der Mitglieder aus.
In der Arbeitsordnung des VCP Bundesverbandes stand damals schon zum Ort der VCP-Jugendarbeit: "Die Gruppenarbeit findet zum Beispiel in festen Gruppen, auf pädagogischen Spielplätzen, in Kinder- und Jugendclubs und an offenen Jugendtreffpunkten statt." (VCP Bundesverband, Arbeitsordnung, 2.1.b)
Hier wurden erste Gedanken einer mobilen Jugendarbeit realisiert. Man kann nicht erwarten, dass Kinder und Jugendliche immer dahin kommen, wo Jugendarbeit angeboten wird. Man muss mit einem Angebot dahin gehen, wo sich Kinder und Jugendliche aufhalten: auf Abenteuerspielplätze, in offene Jugendtreffs …
Auch im VCP Hannover wurde überlegt, wie man das Ziel "soziale Gerechtigkeit" angehen kann. Zwischen 1983 und 1993 entstanden drei, zunächst als Projekte bezeichnete, Einrichtungen:
    1. Das VCP Projekt "Kiefernpfad"
    2. Das Jugend- und Kindermobil (Jukimob)
    3. Die mobile Kinder- und Jugendarbeit (M.A.J.A.)



Kiefernpfad

Im "Kiefernpfad", einem Unterkunftswohngebiet, lebten fast 1000 obdachlose oder von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen. Die Siedlung hatte eine Amtsverfassung und war am äußeren Rand der Stadt Hannover zwischen zwei Kasernen eingeklemmt.
Im "Kiefernpfad" gab es seit den 70er Jahren ein Projekt der Evangelischen Fachhochschule, Hannover (EFH). Einige VCP-StudentInnen bauten eine Kindergruppe auf, die sie, und das war 1983 absolut neu, in der Projektphase über drei Jahre auch in den Semesterferien durchgängig betreuten.
Die Gruppe traf sich in einer der typischen Wohnungen des Kiefernpfades: 1½ Zimmer für bis zu 6 Personen, fließend kaltes Wasser. Das Projekt wurde immer weiter ausgebaut und folgte dem Bedarf an Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Raum. Die erste AB-Stelle wurde 1985 beantragt und genehmigt. Gleichzeitig konnte der VCP, der das Projekt organisatorisch und inhaltlich in seine Betreuung genommen hat, eine Wohnung fast allein nutzen und einrichten.
1987 wurde eine feste Stelle als Fortsetzung der AB-Stelle bei der Stadt beantragt und zwei weitere Gruppen eingerichtet.
Eine zweite Wohnung wurde durch einen Durchbruch angeschlossen. Zur Hauptamtlichenstelle kamen erste Honorarkräfte hinzu.
Anfang der 90er Jahre bewarb sich der VCP für ein neu aufgelegtes Modellprogramm des Kultusministeriums: "Vielfältige Formen außerschulischer Betreuung von Schulkindern". Unter einer Vielzahl von Bewerbungen erhielt der VCP Bezirk Hannover als einziger Jugendverband den Zuschlag. Seitdem gab es eine Fördergruppe von zwölf Kindern, die durch täglich eine warme Mahlzeit, Hausaufgabenbetreuung und sozialpädagogische Beratung begleitet wurden. Alle Kinder kamen aus der Siedlung und hatten einen besonderen Förderbedarf.
Mit dem Projekt zog der VCP 1992 um und bezog eineinhalb Etagen eines Hauses im Kiefernpfad 15. Für das Projekt stand damit so viel Platz zur Verfügung, wie drei Familien beanspruchen konnten. Eine Erzieherin und weitere Honorarkräfte für die Fördergruppe konnten im Rahmen des Modellprogramms finanziert werden: insgesamt gab es somit zwei MitarbeiterInnen und drei Honorarkräfte.
Mitte der 90er Jahre sollte das Viertel saniert, die Standards der Wohnungen angehoben, aus "Nutzern sollten Mieter" werden. Dem VCP wurde mitgeteilt, dass das Haus, in dem er arbeitete, in Eigentum umgewandelt werden sollte. Gleichzeitig lief das Modellprogramm des Landes Niedersachsen aus. Ein weiterer Umzug und die Absicherung einer Stelle standen an. Die Stelle der Erzieherin konnte nach sehr langen Verhandlungen über die Stadt Hannover finanziell gesichert werden: aus der Fördergruppe wurde ein Kinder- und Jugendtreff mit offener Arbeit und Gruppenarbeit.
Der VCP konnte – durch die Kommune und viele Stiftungen und Geldgeber unterstützt – 1997/1998 für 670000 DM ein Haus kaufen, vom Keller bis zum Dach auf vier Etagen mit über 200 m² Nutzfläche entkernen und völlig neu umbauen. Zusammen mit dem Freigelände bildet es den Kinder- und Jugendtreff "Bärenhöhle".
25 – 30 Kinder aus zehn bis zwölf Nationen kommen täglich. Die Kinder bekommen, wie schon die vorhergehende Fördergruppe, eine warme Mahlzeit, ihnen wird bei den Hausaufgaben geholfen, sie werden sozialpädagogisch betreut. Die Kinder sollen sich an einer der fünf Gruppen beteiligen, die sich jeweils an einem Nachmittag treffen. Die Arbeit in den Gruppen folgt pfadfinderischen Methoden und soll das Selbstwertgefühl und die soziale Kompetenz der Kinder steigern. Mit ihren Gruppen fahren die Kinder auch zu Wochenend- und Ferienveranstaltungen.
Die gesamte Einrichtung und die Gruppen arbeiten nach pfadfinderischer Methodik. Die Kinder lernen, Regeln zu vereinbaren und sich an Regeln zu halten. Sie lernen, für sich und für andere, für das Material und die Räume, Verantwortung zu übernehmen. In einem Parlament wählen sie regelmäßig die Kindersprecherin bzw. den Kindersprecher. Sie beteiligen sich an bezirkszentralen Veranstaltungen wie Pfingstlager, Kinderfreizeiten und Waldweihnachten.
Das Projekt ist im Stadtbezirk, der Jugendarbeit, der Kirche und Diakonie anerkannt. Es steht auch mitten im politischen Leben: Ein Junge aus der Einrichtung, in Hannover geboren und aufgewachsen, soll nach Ghana abgeschoben werden. Aus der Sicht der ProjektmitarbeiterInnen darf das nicht sein. Wenn das Kind in eine völlig andere Ecke der Erde verpflanzt und mit Regeln konfrontiert werden würde, die es nicht kennt, könnte das Kind schweren psychischen und physischen Schaden nehmen. Die ProjektmitarbeiterInnen und die Bezirkskonferenz des VCP Hannover setzen sich deshalb dafür ein, dass der Junge in Hannover bleibt.
Seit dem Frühjahr 2005 hängt ein bedrohliches Schwert über der Einrichtung. Die Ratsmehrheit in Hannover hat ohne eine Angabe von irgendwelche Kriterien beschlossen, eine halbe Stelle einzusparen.


Das Jugend- und Kindermobil

Ebenfalls neue Zielgruppen, verbunden mit einer neuen Form der pädagogischen Arbeit, soll das Jugend- und Kindermobil (Jukimob) des VCP ansprechen. Dahinter verbirgt sich ein zum Spielmobil umgebautes Feuerwehrauto mit seiner Besatzung (2 Sozialpädagoginnen und ein ZDL).
Die Idee entstand Ende der 80er Jahre: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bezirks wollten Kinder und Jugendliche verschiedener Nationalitäten dort aufsuchen, wo sie sich in ihrer Freizeit aufhalten:
  • auf Spielplätzen
  • in Innenhöfen
  • auf Brachflächen und Wiesen
  • an Bushaltestellen

Einmal pro Woche fährt das Feuerwehrauto an jeweils die gleichen Orte und trifft im wesentlichen gleiche Kinder: 80% der Kinder bleiben immer gleich, der Rest wechselt. Der VCP spricht deshalb vom Aufbau gruppenähnlicher Strukturen in unterversorgten Stadtteilen.
Er verfolgt mit dem Jukimob folgende Prinzipien: Feuerwehrauto und Crew sind mobil und können dorthin fahren, wo sich Kinder treffen. Raumaneignung bedeutet, dass mit den Kindern Bereiche zurückerobert werden, die von Erwachsenen für eine andere Nutzung vorgesehen waren. So kann z. B. ein langweiliger Spielplatz mit den mitgeführten anregenden Materialien zu einem spannenden Abenteuerspielplatz werden.
Das Jukimob arbeitet beziehungsorientiert: Wie in anderen Formen offener Arbeit stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer eigenen Persönlichkeit, ihren Gefühlen von Nähe und Distanz zur Verfügung. Das geht bis hin zu niedrigschwelliger Erstbetreuung.
Pädagogische Ziele: Die Kinder können sich selbst erproben. Sie übernehmen (soziale) Verantwortung für sich, für andere, für das Material und haben Erfolgserlebnisse. Ein weiteres Ziel ist die Annäherung der Kinder und Jugendlichen an die Angebote des VCP. Die Jukimob-Kinder fahren mit auf Kinderfreizeiten und Zeltlager. Da lernen sie andere Gruppen und Kulturen innerhalb des Jugendverbandes kennen.
Bei den regelmäßigen Nachmittagsangeboten (14.00 – 17.00 Uhr) können sich die Kinder die Geräte des Jukimob ausleihen. Daneben gibt es immer ein festes Kreativitäts- und Spielangebot. Manchmal wird eine Stadtteilerkundung oder ein Stadtspiel durchgeführt.
Für die Ferien werden länger dauernde Projekte wie z. B. ein "Kinderstadtteilplan", die "vier Elemente" oder "Kinder aus aller Welt" erarbeitet. Die Wochenendveranstaltungen, wie die des Jugendverbandes, dienen dem sozialen Lernen.
Das Jukimob betreut Kinder in fünf Stadtteilen und arbeitet an der Herausbildung von sich verfestigenden Strukturen und Beziehungen. Die MitarbeiterInnen haben in den gemeinwesen-orientierten Koordinierungsrunden eine wichtige Rolle, weil sie die Kinder kennen, die sich an keine anderen Angebote mehr herantrauen.
Von den Projekten des VCP ist das Jukimob in der Zusammenarbeit mit Ganztagsschulen am weitesten vorangekommen. Es wird ständig angefragt, um Angebote für oder in Zusammenarbeit mit Ganztagsschulen zu organisieren. Damit steht es an der Schnittstelle von Schulpädagogik und der auf den Prinzipien von Offenheit, Partizipation und Freiwilligkeit beruhenden Jugendarbeit und Jugendhilfe.


Mobile aufsuchende Jugendarbeit

Seit zehn Jahren existiert das Projekt mobiler aufsuchender Jugendarbeit (M.A.J.A.). Seine Wurzeln hat es in einem sogenannten "weißen Projekt", der Zusammenarbeit zwischen Studentinnen und Studenten der EFH und dem VCP Bezirk Hannover. Es beruht ebenfalls auf Grundüberlegungen mobiler Jugendarbeit. Zu den Prinzipien Mobilität, Offenheit und Raumaneignung kam noch das der Cliquenorientierung hinzu. Das Projekt besteht aus einem uralten Trecker und einem fast ebenso alten Bauwagen. Als rollende Teestube fuhr das Gespann zunächst einmal pro Woche zu einem sozialen Brennpunkt in Hannover-Badenstedt.
Im Jahr 2000 gelang es, bei der Stadt Hannover die Finanzierung für eine halbe Stelle sicherzustellen und die Zahl der Einsätze auf drei pro Woche zu erweitern. In Absprache mit der Stadtteilkoordinierungsrunde und dem kommunalen Sozialdienst wurde Körtingsdorf im Stadtteil Badenstedt ausgewählt. Das ist ein Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf (früher: "sozialer Brennpunkt").
Die Zielgruppe verjüngte sich im Laufe der Zeit. Jetzt werden eher die sogenannten "Lückekinder" im Alter bis 12 Jahren erreicht. Mehr als in anderen Einrichtungen des VCP müssen die hauptamtlichen MitarbeiterInnen und die Honorarkräfte des Projekts für Beratung zur Verfügung stehen.
Das Projekt nutzt mittwochs ein ehemaliges Heizhaus im Unterkunftswohngebiet für eine Mädchengruppe. Hier werden 30 – 35 Kinder erreicht. M.A.J.A. ist das niedrigstschwelligste der drei VCP-Projekte in Hannover.


Erreichte Ziele

Bei allen Unterschiedlichkeiten sieht der VCP in allen drei Einrichtungen gemeinsame Aspekte: Die diakonische und damit evangelische Jugendarbeit mit jungen Menschen, die am Rande stehen. Beim VCP gelten sie unabhängig von Konkurrenz und Leistung etwas.
Die Einrichtungen bilden keinen Ersatz für die "klassische Gruppenarbeit" des VCP. Die Methodik der Pfadfinder hat auch im Bezug auf Selbsterziehung, Handlungslernen und strukturelles Lernen eine ungeheure Wertigkeit.
Den Projekten geht es auch darum, eine Dynamik mit der Konsequenz herzustellen, dass sich der Jugendverband verändern wird. Genauso klar ist, dass sich die Angebote der offenen Einrichtungen mit Richtung auf den Jugendverband ändern. Der VCP Bezirk Hannover hat diese fruchtbare Spannung bisher gut ausgehalten.
Die Einrichtungen stehen unter einem erheblichen finanziellen Druck. Die Beihilfen wurden seit Jahren nicht erhöht, so dass sich die Personalkosten immer weiter in den Gesamtetat hineinfressen. Das Projekt M.A.J.A. hat den geringsten Etat aller hannoverschen Lückekinderprojekte. Die KollegInnen im Jukimob mussten auf einen Teil ihrer bezahlten Arbeitsstunden verzichten. Am schlimmsten traf es den Kinder- und Jugendtreff im Kiefernpfad. Hier sollen nach dem Beschluss des Rates der Stadt Hannover im nächsten Jahr 25000 €, eine halbe Stelle, eingespart werden. Der VCP ist sich der Wirksamkeit seiner Projekte u. a. dadurch sicher, weil ihm das ständig von LehrerInnen, Schulleitungen und kommunalen Sozialdiensten bestätigt wird. Er erreicht Kinder, die sonst nicht zur Zielgruppe von Jugendverbandsarbeit gehören. Der VCP Bezirk Hannover leistet damit einen Beitrag zur Herstellung von sozialer Gerechtigkeit.


Wilfried Duckstein, Dipl.Päd., Hannover

Landesjugendpfarramt der Hann. Landeskirche: Zeitschrift Mitarbeiten: Heft 2006/01